Im Sommer vergangenen Jahres verzichtete die Bundeswehr endgültig auf die Nutzung des Truppenübungsplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide. Zu verdanken war dies den zähen Protesten von Bürgerinitiativen, die unter anderem die ostersonntägliche Wanderung durch die Heide regelmäßig zu einer der größten ostdeutschen Ostermarschaktivität werden ließ. Im letzten Jahr sprach man im Juli bereits von der "voraussichtlich letzten" Protestwanderung. Doch auch in diesem Jahr versammelten sich etwa 2.000 Menschen zur ersten Osterwanderung über das ehemalige Bombodrom. Man kann nur sagen: "Holzauge sei wachsam!" Wie die Die-Mark-Online berichtete, wollte die Bundeswehr (bisher ja noch Eigentümer des Geländes) den Osterwanderern doch tatsächlich folgende Auflagen machen, mal schön übersichtlich zum mitschreiben:
keine Transparente
keine kritischen Parolen
fotografieren nicht erlaubt.
Nun ja, die Wehrbereichsverwaltung hat auf Protest der Anmelder hin zurückgerudert. Aber man könnte meinen, da hat mancher etwas nicht mitbekommen ...
Etwas nicht mitbekommen haben übrigens auch die paar SS-Männer, die bis vor kurzem in einem alten Bunker in der Wittstocker Heide ausgeharrt hatten, zumindest in dem Buch von Hans Waal, das vor ein paar Wochen als Taschenbuch erschienen ist. "Durchhalten bis zuletzt" war der Befehl, den sie erhalten hatten und daran haben sie sich auch gehalten, die mittlerweile gefühlt Hundertjährigen. Doch jetzt halten sie es nicht mehr aus und sie wagen den Ausbruch: raus aus dem Bunker, durchschlagen in die "Reichhauptstadt". Ein amüsanter Roadmovie, in dem so mancher sein Fett weg kriegt ...
Hier der Autor - der unter Pseudonym schreibt - bei einer Lesung .
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Hans Waal: Die Nachhut. Roman. Aufbau-Taschenbuch 8.95 Euro
Der am vergangenen Donnerstag von der Bundeswehr verkündete Verzicht auf den Truppenübungsplatz Kyritz-Ruppiner Heide ist eine gewaltige Chance für die Region, auch wenn es noch keine Nutzungskonzepte gibt, wie bereits mancher wieder beklagen zu müssen glaubt. Aber nicht nur für den geplanten Truppenübungsplatz, auch für das Wort "Bombodrom" bedeutet dieser Rückzug das endgültige Aus. Warum? Dieser Begriff ist irgendwann einmal mit Bezug auf den Truppenübungsplatz geprägt worden - von wem, wird die Sprachwissenschaft noch herausfinden müssen. Spannend ist, dass er bis heute ausschließlich in diesem Sinne gebraucht wurde. Nirgendwo wird der Begriff für etwas anderes als die Kyritz-Ruppiner Heide benutzt. Wer's nicht glaubt, kann bei Google gern eine andere Verwendung suchen. Wie wird dieses Wort später in den Lexika aufbewahrt werden? "Als Bombodrom wurde in 1990er und 2000er Jahren ein geplanter ......" So oder ähnlich wird es wohl heißen, doch die Diskussion wird noch spannend werden, wie man bereits jetzt an der Debatte um den betreffenden Wikipedia-Eintrag sehen kann. Wiglaf Droste übrigens, über den wir vor 14 Tagen berichteten, ist der Meinung, man solle aus diesem Anlaß ruhig "eine Flasche Champagner öffen". Ganz genau.
Pssst! Wie angekündigt, hat der Rheinsberger Stadtschreiber Droste gestern seine Abschiedslesung gehalten. Sie scheint so eingeschlagen zu haben, dass für den 18. August eine "Stadtschreiber-Zugabe" vereinbart wurde.